Abends noch lernen
Samira erzählt, wie sie Weiterbildung und Schichtarbeit verbindet.
- die Kammer — offizielle Stelle für Prüfungen im Beruf
- am Ball bleiben — weiter machen, nicht aufgeben
- die Schicht tauschen — Arbeitszeiten mit jemand anderem wechseln
Drei Abende die Woche sitze ich nach der Spätschicht im Kursraum. Ich arbeite in einem Lager und mache parallel eine Weiterbildung zur Logistikfachkraft. Der Kurs dauert zehn Monate und endet mit einer Prüfung vor der Kammer.
Am Anfang habe ich unterschätzt, wie müde man nach acht Stunden auf den Beinen ist. In der ersten Woche bin ich fast eingeschlafen, während die Lehrerin Tabellen erklärt hat. Jetzt trinke ich vor dem Kurs einen Tee, esse etwas Warmes und lasse das Handy in der Tasche. Die anderen im Kurs sind zwischen 19 und 45; zwei haben Kinder, einer kommt noch weiter her als ich.
Der Betrieb zahlt die Hälfte der Gebühr, wenn ich die Prüfung bestehe. Bestehe ich nicht, muss ich den Anteil zurückzahlen. Das klingt hart, gibt mir aber einen klaren Grund, am Ball zu bleiben. Samstags lerne ich zwei Stunden in der Bibliothek, nie zu Hause — zu Hause räume ich nur auf oder schlafe.
Was mir hilft: Karteikarten für Fachwörter und eine Lernpartnerin aus dem Kurs. Wir schreiben uns dreimal pro Woche fünf Fragen. Wenn eine von uns eine Schicht tauscht, schicken wir ein Foto der Tafel.
Nächsten Monat beginnt der Praxisteil im anderen Lager der Firma. Dann fallen zwei Kurstage weg, und ich arbeite dort mit. Ich habe etwas Angst vor den Maschinen, aber die Ausbilderin hat gesagt, niemand werde allein gelassen.
Wenn ich fertig bin, verdienen Fachkräfte bei uns etwa 400 Euro mehr im Monat. Das ist nicht alles, aber es würde die Miete entspannen.
Aufgaben
Lies den Text in Ruhe, dann beantworte die Fragen.